Wilder Wein
An deinen Grenzen entlang und hoch hinauf,
wachs` ich über mich hinaus wie wilder Wein
an den Fassaden aus Stein, entlang der Mauern
nehm` ich meinen Lauf.
Anlauf! Denn meine Füße sind klein
und die Wände scheinen endlos zu sein.
Tap... tap... tap... tap... tap...
Mit aller Gewalt lehnst du dich dagegen,
gibst nur Halt zum Lücken schmücken
schmiege ich mich ganz fest an.
Ich will mich zu dir legen.
Möchte weiter klettern, höher und mehr,
bis du mich wieder fallen lässt,
auf den Boden knallen lässt.
Grüne Kaskaden rollen, stürzen, Wind streift hindurch,
Blätter zittern, ich soll nicht wollen.
Komm, gönn´ dir doch! Nimm noch einen roten Schluck
und trink mich leer!
Köln, 06.11.2021
Niederlage
Am Morgen war ich ein Boxer, kantig, derbe und genau zwischen den Millimetern.
Am Abend deine Muse, nackt kurvig und taumelnd von Wort zu Wort. Stolpernd.
Wir haben uns nicht geküsst. Es war als hätte ich einen Kampf verloren.
Köln, 26.12.2022
Der Schwarm
In schwindelnde Höhen, tief hinein,
abwärts den Weltenrand schleifend,
in tausend schwarzen Punkten klein,
als großer Fleck nur zu begreifen.
Es kreisen, schwirren, stürzen, toben
Figuren wie schimmernder Sterne Tanz,
von links nach rechts, nach unten und oben,
ein Rausch an Traum und Eleganz.
Im Anflug auf den golden Schnitt,
es schmettert das Geschwader nieder.
Reißt Wind und Schnee im Wirbel mit
und zeichnet eine Einheit wieder.
Die größte Freiheit steht und fällt,
die Vögel nehmen Rast und leise,
im Hauch aus Atem dieser Welt
und einer täglich neuen Reise.
Köln 23.12.2023